Griffkraft: Was sie über Fitness und gesundes Altern verrät

Griffkraft ist weit mehr als die Kraft der Hände. Sie lässt sich einfach messen und wird in Forschung und Altersmedizin häufig als Marker für allgemeine Muskelkraft und körperliche Funktionsfähigkeit eingesetzt. Eine niedrige Griffkraft ist in Beobachtungsstudien mit ungünstigeren Gesundheitsverläufen verbunden. Wichtig ist jedoch: Das bedeutet nicht, dass kräftiges Zudrücken allein länger leben lässt.

Was ist Griffkraft?

Griffkraft beschreibt die Kraft, die Hand und Unterarm beim Greifen entwickeln können. Gemessen wird sie meist mit einem Handdynamometer. Die Messung ist schnell, nicht invasiv und vergleichsweise einfach standardisierbar.

Gerade beim Älterwerden ist das interessant, weil Griffkraft Informationen über die neuromuskuläre Funktion liefert und als praktikabler Hinweis auf die allgemeine Muskelkraft dienen kann. Mehr zu den Grundlagen findest du im Fitness-Lexikon unter Muskelkraft.

Warum ist Griffkraft beim Älterwerden interessant?

Eine große Zahl von Beobachtungsstudien verbindet eine niedrigere Griffkraft mit einem höheren Risiko für funktionelle Einschränkungen, Behinderung und Sterblichkeit. Eine Umbrella-Review fand besonders deutliche Zusammenhänge mit Gesamtsterblichkeit, kardiovaskulärer Sterblichkeit und dem Auftreten von Behinderung.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit von 2026 bestätigt, dass Griffkraft mit zahlreichen gesundheitlichen Bereichen im höheren Lebensalter untersucht wurde. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass die überwiegend beobachtenden Studiendesigns keine einfache Aussage über Ursache und Wirkung erlauben.

Die richtige Interpretation lautet deshalb: Griffkraft ist ein nützlicher Marker. Sie ist kein Beweis dafür, dass eine bestimmte Griffkraft Gesundheit oder Langlebigkeit verursacht.

Griffkraft und Sarkopenie

Die europäische EWGSOP2-Konsensusgruppe stellt niedrige Muskelkraft in den Mittelpunkt der Sarkopenie-Erkennung. Als Grenzwerte für niedrige Griffkraft nennt sie weniger als 27 kg bei Männern und weniger als 16 kg bei Frauen. Diese Werte sind diagnostische Orientierungspunkte für den entsprechenden Kontext und keine persönlichen Fitnessziele.

Ein einzelner Messwert sollte daher nicht isoliert interpretiert werden. Alter, Geschlecht, Körpergröße, Messgerät, Messposition und verwendetes Protokoll können das Ergebnis beeinflussen.

Weiterführend: Sarkopenie, Frailty und Muskelatrophie.

Wie wird Griffkraft gemessen?

Für eine aussagekräftige Verlaufskontrolle sollte möglichst immer unter vergleichbaren Bedingungen gemessen werden. In Studien wird häufig ein Handdynamometer verwendet. Ein Review zu Messprotokollen bei älteren Erwachsenen zeigt allerdings, dass sich Haltung, getestete Hand, Zahl der Versuche und Pausenzeiten zwischen Studien unterscheiden.

Für den Alltag ist deshalb weniger wichtig, verschiedene Geräte oder Internet-Tabellen gegeneinander auszuspielen. Sinnvoller ist eine wiederholbare Messung mit demselben Gerät und einem gleichbleibenden Ablauf.

Kann man Griffkraft trainieren?

Ja. Griffkraft lässt sich gezielt belasten – etwa durch Halteübungen, Tragen schwerer Gewichte oder spezielle Griffübungen. Für gesundes Altern sollte das jedoch nicht das gesamte Trainingskonzept ersetzen.

Ein umfassendes Krafttraining beansprucht große Muskelgruppen und Bewegungsmuster und hat damit einen wesentlich breiteren Nutzen. Übungen wie Rudern, Kreuzhebevarianten, Klimmzugvarianten, schweres Tragen oder Kurzhanteltraining fordern die Hände und Unterarme häufig automatisch mit.

Grundlagen dazu findest du unter Krafttraining und Progressive Überlastung.

Was ist wichtiger: Griffkraft oder allgemeine Kraft?

Für die Gesundheit ist nicht die Hand allein entscheidend. Griffkraft ist vor allem deshalb interessant, weil sie schnell und günstig gemessen werden kann und mit allgemeiner körperlicher Funktion zusammenhängt. Wer seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit erhalten möchte, sollte daher nicht ausschließlich Handtrainer benutzen, sondern den gesamten Körper kräftigen.

Das passt auch zu unserem Schwerpunkt auf langfristigem Muskelaufbau: Muskelaufbau ab 40 und 50 – was wirklich zählt.

Griffkraft als persönlicher Verlaufswert

Besonders interessant kann Griffkraft als Verlaufswert sein. Wird unter vergleichbaren Bedingungen regelmäßig gemessen, lässt sich beobachten, ob die Kraft stabil bleibt, steigt oder deutlich nachlässt. Ein unerwarteter Rückgang ist allein noch keine Diagnose, kann aber Anlass sein, Training, Erholung, Ernährung oder bei deutlichen Veränderungen auch die gesundheitliche Situation genauer zu betrachten.

Fazit

Griffkraft ist ein einfacher und nützlicher Marker für Muskelkraft und körperliche Funktionsfähigkeit. Niedrige Werte sind in Studien mit ungünstigeren Gesundheitsverläufen assoziiert. Daraus folgt jedoch nicht, dass isoliertes Grifftraining automatisch das Krankheits- oder Sterberisiko senkt.

Für die Praxis ist die Botschaft einfacher: Muskelkraft möglichst langfristig erhalten, regelmäßig Krafttraining betreiben und Griffkraft bei Interesse als einen von mehreren messbaren Verlaufswerten nutzen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Cruz-Jentoft AJ et al. (2019): Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis (EWGSOP2). Age and Ageing.
  • Soysal P et al. (2021): Handgrip strength and health outcomes: Umbrella review of systematic reviews with meta-analyses of observational studies. Journal of Sport and Health Science.
  • Bernal-Sánchez et al. (2026): Handgrip strength across clinical conditions and health-related outcomes in older adults: a scoping review.
  • Roberts HC et al. / related measurement literature: standardisation and interpretation of handgrip dynamometry in older adults.

Hinweis: Griffkraftwerte sind kein Ersatz für eine medizinische Diagnose. Bei deutlichem Kraftverlust, neuen Beschwerden oder Einschränkungen sollte die Ursache fachlich abgeklärt werden.